Urlaub in Deutschland
Entdecken Sie die schönsten Urlaubsgebiete in Deutschland

Auch wenn viel über die Deutsche Bahn geschimpft wird, lässt sich Deutschland hervorragend mit dem Zug bereisen. Dabei handelt es sich nicht nur um ein Mittel zum Zweck, denn auch die Zugfahrt selbst kann ein schönes Erlebnis mit ganz besonderen Ausblicken sein. Echte Eisenbahnliebhaber wissen, welch schöne Strecken unser Land zu bieten hat. Das ein oder andere Highlight lädt vielleicht sogar dazu ein, beim nächsten Urlaub miteingeplant zu werden.
Die Schwarzwaldbahn fährt von Karlsruhe bis Konstanz am Bodensee, besonders lohnenswert ist der Abschnitt zwischen Offenburg und Donaueschingen, der als eine der schönsten Bahnstrecken des Landes gilt. Weil sich die Landschaft durch steile Hänge und breite Täler auszeichnet, muss die Schwarzwaldbahn 650 Höhenmeter bewältigen. Dank echter Ingenieurskunst ist das aber kein Problem: 39 Tunnel, zwei Kehrschleifen und ein Viadukt erlauben komfortables und sicheres Reisen. Bereits sehr über 150 Jahren gibt es die Schwarzwaldbahn, sie gehört zu den wenigen zweigleisigen Gebirgsbahnen in Deutschland. Die gesamte Strecke ist mittlerweile ein Kulturdenkmal. Wer mehr über die Schwarzwaldbahn erfahren möchte, kann den Schwarzwaldbahn-Erlebnispfad im Bereich der Gemeinde Triberg bewandern. Entlang des Weges gibt es 16 Infostationen und mehrere Aussichtspunkte.

Nostalgische Zugstrecken - die Brockenbahn im Winter, Quelle: VirgoStudio / Pixabay
Ein absolutes Muss für jeden Eisenbahnfan ist die Fahrt mit der historischen Schmalspurbahn von Drei Annen Hohne hinauf auf den Brocken. Der Brockenbahnhof auf 1125 Metern Höhe ist der höchstgelegene Bahnhof Deutschlands, was an sich schon einen Besuch wert ist. Der Ausblick ist ohne Frage fantastisch. Die 700 PS starken Dampflokomotiven ziehen die Wagen ohne Zahnräder als reine Adhäsionsbahn nach oben. Wenn sich die Dampflok schnaufend und pfeifend durch den Harzer Nationalpark kämpft, ist das ein besonderes Erlebnis, irgendwie nostalgisch, fast schon romantisch. Das gilt ganz besonders im Winter, wenn die Wälder schneebedeckt sind.
Ein fast schon magisches Erlebnis ist auch die Fahrt über den Hindenburgdamm direkt durch das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer. Wenn der Zug auf dem rund elf Kilometer langen Damm scheinbar mitten durch das offene Meer rollt und der Blick über die Weite des Nordfriesischen Wattenmeers schweift, ist pure Urlaubsstimmung garantiert. Die wechselnden Gezeiten, das Kreischen der Möwen und die salzige Brise begleiten die Reisenden, bis der Zug schließlich seinen Zielbahnhof im mondänen Westerland auf Sylt erreicht. Es stehen mehrere Verbindungen zur Auswahl. Von Hamburg aus fährt die Marschbahn, eine Regionalbahn, entlang grüner Marschen, weiter Felder und niedlicher Dörfer. Außerdem gibt es mehrere Direktverbindungen mit dem IC, etwa von Berlin, Köln oder Frankfurt am Main aus. Seit 2026 wird nach und nach auf den ICE L umgestellt.
Wer die Osteeinsel Rügen besucht, sollte nicht auf eine Fahrt mit dem „Rasenden Roland“ verzichten. So wird die historische Schmalspurbahn der Insel genannt. Sie ist nie schneller als Tempo 30, befährt lediglich eine Strecke von 24,1 Kilometern und ist dennoch fester Bestandteil des Nahverkehrssystems Rügens. Ganzjährig wird die Strecke zwischen Putbus und Göhren befahren, im Sommer geht es bis Lauterbach Mole. Dampflokomotiven aus den Baujahren 1914 bis 1953 ziehen die Züge und als Personenwagen kommen restaurierte historische Waggons zum Einsatz, die bis zu fast 100 Jahre alt sind. Das ist Nostalgie pur. Die Eisenbahn-Erlebnislandschaft in Putbus vermittelt Wissenswertes rund um die historischen Züge und umfasst auch eine Aussichtsplattform. Ganz große Eisenbahnfans können auf den Bahnhöfen Putbus und Göhren sogar heiraten, denn in historischen, festlich dekorierten Wagen können Trauungen abgehalten werden.
Eisenbahnreisen in Deutschland leben nicht nur von den malerischen Landschaften und den Zügen selbst, sondern auch von den beeindruckenden Brückenbauwerken, die das Reisen erst möglich machen, indem sie tiefe Täler, Flüsse und Schluchten überqueren. Diese monumentalen Konstruktionen sind Meisterwerke der Statik und Baukunst. Damit sie sicher stehen und den täglichen Lasten standhalten, kommt es auf jedes Detail an. Bei Eisenbahnbrücken aus Stahl sind zum Beispiel die Verbindungselemente entscheidend. Hier kommen meist spezielle Stahlbauschrauben zum Einsatz, die im Falle einer Überlastung an einer bestimmten Stelle hinter der Mutter abreißen. Die Schraube selbst verbleibt so im Bolzenlock und kann gegebenenfalls noch Scherkräfte aufnehmen. Eine bemerkenswerte Eisenbahnbrücke aus Stahl ist die Müngstener Brücke bei Solingen, denn das ist die höchste Eisenbahnbrücke in Deutschland. Die Bogenbrücke überspannt in 107 Metern Höhe das Tal der Wupper. Auf der Strecke Erfurt–Leipzig/Halle wird seit 2015 die längste Eisenbahnbrücke des Landes befahren, die Saale-Elster-Talbrücke, die beeindruckende 8614 Meter lang ist. Es handelt sich um eine Spannbetonhohlkastenbrücke, deren Bau 222 Millionen Euro gekostet hat. Die größte Ziegelsteinbrücke der Welt ist eine deutsche Eisenbahnbrücke. Über 26 Millionen Ziegelsteine wurden für die Göltzschtalbrücke auf der Strecke zwischen Leipzig und Hof verbaut. Der Viadukt hat stolze 98 Bögen und ist fast 80 Meter hoch. Insgesamt werden mehr als 25000 Eisenbahnbrücken von der Deutschen Bahn genutzt, von denen die meisten natürlich recht unscheinbar sind. Dennoch gibt es einige sehr interessante Exemplare.

Eisenbahnbrücke bei Solingen, Quelle: Michael Offermann / Pixabay
Deutschland hat auf Schienen so viel mehr zu bieten als nur den Weg von A nach B. Es lohnt sich, die Augen offen zu halten und mal einen Urlaub mit dem Fokus auf die Eisenbahn zu planen.
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